Wie stark ich bin- meine Potenziale nutzen

Das Perspektivteam des BLLV Niederbayern bekommt Werkzeuge an die Hand, um die mentale Stärke und Gesundheit zu verbessern

Das Perspektivteam des BLLV Niederbayern traf sich vom 29. bis 30. September 2023 im Arberland Tagungshaus Regen, um Strategien zu erhalten, mit denen man im Lehrerberuf lange gesund bleibt. Dabei sollten sowohl ein bewusstes Selbstmanagement als auch die Förderung der Selbstreflexion und der Selbstfürsorge im Vordergrund stehen. Damit man im Lehrerberuf nicht krank wird, sollten die 18 Teilnehmer erfahren, wie man effektiver mit Stress umgeht, die Work-Life-Balance ausgleicht sowie die Lebensqualität verbessert.

Rainer Kirschner begrüßte bei seinen einführenden Worten neben allen Anwesenden das neue PT-Mitglied, Melanie Eibl-Friedrich und stellte den Ablauf sowie den Referenten vor.

Referent Markus Möslang ist freiberuflich in seiner eigenen Praxis im Allgäu tätig, arbeitet als Heilpraktiker für Psychotherapie und bietet viele Coachings und Seminare für verschiedenste Personengruppen an.

„Wer ein WARUM fürs Leben hat, erträgt fast jedes WIE“ mit diesem Satz stieg er ein. Dieses Zitat von Friedrich Nietzsche zog sich wie ein roter Faden durch das zweitägige Herbstseminar und wurde immer wieder aufgegriffen.

Nach ein paar Sätzen zur eigenen Person und zum persönlichen Werdegang wollte Herr Möslang von allen Mitgliedern erstmal wissen, welche Ziele und Erwartungen sie von diesem Seminar hätten.

Damit sich auch die Teilnehmer kennen lernen konnten, durften sie sich paarweise über die individuellen und persönlichen Ziele austauschen und sich gegenseitig vorstellen.

Danach gings an den ersten Themenkomplex: Selbstmanagement. Dies ist die Fähigkeit, bewusst seine eigenen Handlungen, Ressourcen und die Zeit zu organisieren, um persönliche Ziele zu erreichen und um Stress zu reduzieren. Man muss sein Leben planen, sich selbst organisieren, man muss priorisieren und sich motivieren. Dabei darf man aber nicht vergessen, sich selbst zu reflektieren und zu kontrollieren. Denn wenn man das nicht macht oder falsch macht, ist man überfordert, gestresst und steht unter hohem Druck. Ebenso kann das Streben nach Perfektion und der starke Wille, seinen eigens auferlegten Zeitplan einzuhalten, die mentale Gesundheit beeinträchtigen. Und wenn man sich zu sehr der eigenen Selbstverwaltung widmet, besteht die Gefahr der sozialen Isolation und Vereinsamung. Was alles die ersten Symptome von Burnout sind. Dem soll entgegengewirkt werden, indem man sich intensiv mit dem Thema Selbstmanagement auseinandersetzt und sich nicht immer selbst einen Druck macht.

Um zu sich selbst zu finden und sich seiner momentanen Gefühlslage bewusst zu werden, machte Herr Möslang eine Atemübung zur Achtsamkeit mit allen Teilnehmern. Im Anschluss daran konnten alle auf dem sogenannten „Lebensrad“ zu zwölf Kategorien (Bewegung, Ernährung, Partnerschaft, Freunde, usw.) den jeweiligen Ist-Zustand mit einer Skala von 1-10 festhalten. Damit das Rad des Lebens nicht „eiert“, sollten im Idealfall alle Kategorien gleichmäßig und für „gut“ befunden werden. Falls ein Bereich nicht zufriedenstellend ist, soll man bewusst nachdenken, was man ändern kann. Dieses „Werkzeug Lebensrad“ kann in regelmäßigen Abständen gemacht werden und dient der Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensqualität.

Als Einstieg in den nächsten Themenkomplex „Stress“ bildeten sich fünf Kleingruppen, die erarbeiteten, was bei ihnen persönlich Stress auslöst. Dabei zeigte sich, dass bei jedem ein andres Ereignis stresst. Den einen mehr den andren weniger. Stress ist also absolut subjektiv und entsteht in uns selbst. Was aber unumstritten ist, ist, dass es sich auf das körperliche Wohlbefinden auswirkt. Angst und Stress schlagen auf die Nieren. Angst, Lärm und wenig Schlaf sind die oft genanntesten Hauptstressoren in der Arbeitswelt. Ebenso das Ziel, perfekt sein zu wollen und es dann nicht zu schaffen.

Auf negativen Stress reagiert der Mensch entweder mit Flucht, Aggression oder Starre. Man geht weg, verkriecht sich, wird ausfallend oder beleidigend oder sitzt einfach da, sagt nix, starrt ins Leere und kann gar nicht mehr reagieren. Damit dieses Stresslevel nicht erreicht wird, muss man achtsam sein und auf sich schauen. Studien haben ergeben, dass ein 20 minütiges Power-Napping den Körper und Geist derart entspannt, dass dies neben dem Meditieren eine der besten Vorbeugungen gegen Stress sei.

Markus Möslang versteht sich lieber als Coach statt als Therapeut. Das bedeutet, er schaut lieber lösungsorientiert nach vorne und auf die Ressourcen der Menschen, als die Schwächen zu therapieren und aufzuarbeiten. Im Seminar begann er deshalb mit einem Body-Scan und einer Fantasiereise zu den eigenen Stärken, die er metaphorisch in Geschenke verpackte. Jeder Teilnehmer sollte sie in Gedanken öffnen und seiner Potenziale bewusst werden. Sobald jeder über seine Stärken nachgedacht hatte, konnte man eine „Passion-Skill-Matrix“ ausfüllen. Das ist nichts anderes als eine Einordnung aller Aufgaben, die man so zu bewältigen hat. Dabei spielen die eigenen Fähigkeiten (SKILLS) als auch die individuelle Leidenschaft/ Interessen (PASSION) zentrale Rollen. Mit der Zauberformel: PERSÖNLICHE STÄRKE = TALENT + WISSEN + KÖNNEN + WOLLEN gehen einem die schwierigsten Aufgaben leicht von der Hand. Damit verabschiedete der Referent die Seminarteilnehmer zum Abendessen und gemütlichen Beisammensein.  

Der zweite Halbtag am nächsten Morgen startete mit einer aufheiternden Schlüsselsuchaktion, die die geplante Aufwachübung ersetzte. 

Nachdem sich alle Gemüter wieder beruhigt hatten, stieg Markus Möslang ins Thema „Werte“ ein. Was diese mit Selbstfürsorge und Stressbewältigung zu tun haben, zeigte er der Teilnehmerschaft, indem er den Lebensbaum zeichnete. Die Werte sind in den Wurzeln und stehen für die Basis und die Stabilität und halten jeden Baum bzw. jeden Menschen fest. Wenn der Stamm mit seinen Visionen und seiner positiven Grundhaltung wachsen kann, verzweigt sich das Leben im Geäst in verschiedensten Rollen. Solche Rollen besitzt jeder Einzelne. Jeder spielt seine Rolle im Beruf, im Freundeskreis, in der Familie, im Vereinsleben usw. Und wenn man sich wohl fühlt und seine Rollen ausgeglichen sind, trägt der Lebensbaum Früchte und man erntet Erfolg. Diese bildhafte Darstellung zeigte sehr deutlich, wie alles zusammenhängt. Damit ist auch verständlich, dass viele Streitigkeiten und Konflikte nur deshalb entstehen, weil Menschen unterschiedliche Werte besitzen und anstreben. Werte verändern sich im Laufe des Lebens auch immer wieder. Freundschaften gehen auseinander oder entstehen wegen ungleicher oder gleicher Wertvorstellungen/ Haltungen. Der Referent ließ alle PT-Mitglieder aus 168 vorgeschlagenen Appetenzwerten die eigenen sechs wichtigsten Werte herausfiltern. Ebenso sollte dies mit den negativen Werten gemacht werden. Besitzt man also ähnliche Werte wie sein Gegenüber, so schätzt man dessen Werte. Diese Sichtweise verändert plötzlich die Bedeutung des Wortes „WERTSCHÄTZUNG“.

Verändern sich die Werte, verändern sich oft auch die Lebensumstände. Dies ist völlig normal und darf nicht als Stressor gesehen werden. Auch hier passte das Zitat von Nietzsche

„Wer ein WARUM fürs Leben hat, erträgt fast jedes WIE“.

Nach einer Auflockerungsübung wurde sich dem Thema „Lebensrollen“ (bildhaft: die Äste des Lebensbaumes) gewidmet. Dabei stellte sich heraus, dass es wieder wichtig ist, sich selbst zu hinterfragen. Welche Rollen habe ich in meinem Leben? Welche sind mir grad am wichtigsten? Was möchte ich erreichen? Ist die Zeit darin zu viel/ zu wenig? Welche Rolle spiele ich in den Augen der anderen? Eine Fantasiereise („80.Geburtstag“) ließ die Teilnehmer nachdenken und über ihre Rollen reflektieren. Wichtig dabei ist Markus Möslang immer, dass man seine Gedanken danach notiert und schriftlich festhält.

Um einer bestimmten Lebensrolle gerecht werden zu können, braucht man Haltung. Man muss positiv überzeugt sein und eine optimistische Lebenseinstellung (=Baumstamm) haben. Jede Handlung spiegelt die eigene Haltung wider. Ist man gereizt, gestresst oder genervt, ist auch der Unterricht eine Qual. Die Schüler sind genau an diesem Tag hyperanstrengend und extrem auffällig. Es scheint sich zu übertragen. Und genau davon ist Markus Möslang überzeugt. Negative Schwingungen übertragen sich genauso wie eine positive Grundeinstellung und ist ansteckend. Um diese These noch eindrucksvoller zu bekräftigen, machte der Referent ein Experiment aus der Kinesiologie- mit Rainer Kirschner als Versuchsobjekt. Es war beeindruckend, welche Auswirkungen die Stimmung im Raum für jeden Einzelnen hatte.  In Folge dessen sollte man den Spruch des Psychologen Viktor Frankl beherzigen, der da heißt: ZWISCHEN REIZ UND REAKTION DA LIEGT EIN RAUM. Und diesen Raum sollte man für sich nutzen. Wenn man gestresst ist, sich über irgendetwas aufregt, sollte man sich Zeit nehmen oder Abstand gewinnen, bevor man reagiert. Man geht raus oder atmet kurz durch, findet zu sich und erst dann handelt man. Eine wichtige Strategie fürs Klassenzimmer, wenn sich grad Stressoren häufen.

Am Ende zeigte der Coach noch einen bekannten englischen Clip aus der Schule. Da erklärte ein weiser Lehrer seinen jungen, erwachsenen Schülern mit Hilfe eines Glases und Golfbällen, dass man sein Leben planen sollte und nicht mit sinnlosen Zeitfressern vergeuden sollte.

Eine wichtige Metapher hat viele Teilnehmer ebenso angesprochen:  Ein Mann sägt im Wald mit einer sehr stumpfen Säge und ist körperlich schon sehr angeschlagen. Als ein Wanderer dies sieht und zu ihm sagt, er solle sein Sägeblatt mal schleifen oder wechseln, damit es leichter ginge, entgegnete dieser: „Kann ich nicht, ich muss ja sägen!“ 

Jeder Lehrer sollte seine mentale Gesundheit als sein wichtigstes Gut erachten und auf sich schauen. Mit diesen Worten schloss Markus Möslang sein Seminar und verabschiedete die begeisterten, wenn auch geplätteten PT-Teilnehmer.

Vor allem unter dem Aspekt „Eigene Gesundheit und Psychohygiene“ waren diese zwei Tage also sehr bedeutend. Jeder Anwesende konnte „seine eigene Säge wieder schleifen“ und nahm sich vor, dies regelmäßig zu machen. In welcher Form auch immer. Das Werkzeug und die Strategien hat der Referent ja geliefert.

Vielen Dank dem engagierten Referenten sowie an Rainer Kirschner als Organisator für die zwei tiefsinnigen, erfahrungsreichen und sehr wohltuenden Tage! Dank auch an alle Teilnehmer für die schöne Zeit und die tollen Gespräche!

Julia Huber