Eltern lehnen Corona-Tests in der Schule ab 04.12.2020

Pressemitteilung Corona-Tests

Mit großer Verärgerung haben wir die Pressekonferenz der Bayerischen Staatsregierung am 23. März verfolgt. Gerade aus Ostbayern, wo die Infektionszahlen steigen und steigen, erhal-te der Kultusminister viele Anrufe von Landräten und Eltern, die sich nichts

Eltern lehnen Corona-Tests in der Schule ab

Mit großer Verärgerung haben wir die Pressekonferenz der Bayerischen Staatsregierung am 23. März verfolgt. Gerade aus Ostbayern, wo die Infektionszahlen steigen und steigen, erhalte der Kultusminister viele Anrufe von Landräten und Eltern, die sich nichts mehr als offene Schulen wünschten. Was Professor Dr. Michael Piazolo nicht gesagt hat: Auch wir Lehrerinnen und Lehrer würden uns freuen, wieder Präsenzunterricht anbieten zu dürfen. Aber nicht unter völlig ungeschützten Bedingungen und mit undurchdachten Aktionen. Was ebenfalls nicht angesprochen wurde: Viele Eltern aus Niederbayern lehnen eine Testung ihres Kindes rigoros ab. Wir als BLLV Niederbayern fragen uns: Wie will die Staatsregierung dann mitten in der 3. Welle die Gesundheit der Schüler und an der Schule Beschäftigten noch gewährleisten? Gerade in Ostbayern, wo die dritte Welle im Gegensatz zu anderen Landkreisen Bayerns längst Fahrt aufgenommen hat? Mit der unausgereiften Teststrategie an Schulen sicherlich nicht.

Nach den Osterferien sollen Schüler bei einem Inzidenzwert unter 100 zweimal pro Woche in den Schulen freiwillig getestet werden. Ab einem Inzidenzwert über 100 gibt es eine Testpflicht. Laut Piazolo konnte man an den Schulen nun in den beiden Wochen vor den Osterferien das „Testen testen“. Die Bilanz in Niederbayern fällt nach diesen „zwei Wochen Testen testen“ hingegen besorgniserregend aus. Bei einer virtuellen Sitzung der BLLV-Kreisvorsitzenden in Niederbayern, von Kelheim bis Passau, von Landshut bis Regen, wurde deutlich: Die Teststrategie der Staatsregierung ist nicht durchdacht. 

Wir wollen nicht falsch verstanden werden: Der BLLV begrüßt regelmäßige Tests, um die Sicherheit für die gesamte Schulfamilie zu erhöhen. Aber nicht mit diesen Rahmenbedingungen! Wie Kultusminister Piazolo bei der Pressekonferenz am vergangenen Dienstag angemerkt hat, sind Lehrkräfte kein medizinisches Fachpersonal. „Letztlich aber müssen wir den Kindern bei den Selbsttests helfen, gerade den Grundschülern“, fasst Bezirksvorsitzende Judith Wenzl die Erfahrungen der BLLV-Amtsträger zusammen. „So kinderleicht in der Handhabung wie bei der Pressekonferenz dargestellt sind die beiden im Umlauf befindlichen Schnelltests nicht. Dass dabei ein Großteil der Lehrkräfte das ungeimpft und ohne Schutzkleidung machen soll, ist für die Staatsregierung nicht einmal erwähnenswert. Für unsere Lehrkräfte allerdings. Viele haben Angst um ihre Gesundheit.“

Rainer S. Kirschner, 2. Bezirksvorsitzender und Konrektor an einer Grund- und Mittelschule im Landkreis Passau, ergänzt: „Wir müssen in den Schulen genau Buch führen, wenn wir einer Schülerin ein Pflaster verabreichen, weil sie sich an einem Blatt Papier geschnitten hat. Die Stelle, an der das Pflaster klebt, könnte sich ja entzünden. Und jetzt sollen wir auf einmal die Tests in der Schule durchführen?“ Auch viele Eltern sehen die Tests in den Schulen kritisch. Kaum eine Klasse – so die ersten BLLV-Umfragen in Niederbayern – die sich komplett in der Schule testen lassen will. Sehr häufig melden uns die Schulen aus Niederbayern zurück, dass nur ein Drittel bis etwa die Hälfte der Eltern einer Testung ihrer Kinder zustimmen will.

Hier exemplarisch eine Schilderung aus dem Landkreis Kelheim: „Es waren schon einige Mütter bei mir, die mir schriftlich bestätigt haben, dass sie jegliche medizinische Handlung bezüglich Corona, Tests und dergleichen ausdrücklich verbieten. Sollte ich dem nicht nachkommen, würden sie rechtliche Schritte gegen mich einleiten.“ Leider keine Einzelfälle. Auch Kollegen aus anderen Landkreisen in Niederbayern haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Aus dem Landkreis Landshut meldet uns eine Kollegin – selbst Mutter - zurück: „Es wurde viel in der Klassengruppe diskutiert und es ist jeder derselben Meinung, der Test in der Grundschule und in diesem Alter ist den Kindern nicht zumutbar. Was, wenn er positiv ist? Die Kinder bekommen seit Monaten mit, wie gefährlich Corona ist, und dann sitzen sie mit einem positiven Testergebnis verzweifelt in der Schule und müssen isoliert von allen anderen darauf warten, bis die Eltern sie abholen?“

Eine Sorge, die 3. Bezirksvorsitzende Petra Hübl-Ostermeier, selbst Mutter zweier Kinder, schon von vielen Eltern gehört hat und auch gut nachvollziehen kann. „Für einen Schüler, der einen positiven Test in der Hand hat, eine enorme Stressbelastung. Wir fordern deshalb, die Tests aus der Schule nach Hause zu verlagern, in die Obhut der Eltern.“ Rainer S. Kirschner untermauert die Forderung: „Denn was bringt ein Schnelltest, wenn das Kind schon in der Schule ist? Dann hat der betroffene Schüler womöglich schon morgens den kompletten Bus angesteckt. Und in Niederbayern sind sehr viele Kinder auf den Bus angewiesen.“

Der BLLV fordert die Staatsregierung auf, das Gesundheitskonzept der Schulen neu zu überdenken. Nach einem Jahr der Ankündigungen müssen endlich Taten folgen. Vor allem deshalb, weil die britische Virusmutation besonders unter Kindern und Jugendlichen zu hohen Infektionszahlen führt. „Es macht uns fassungslos, dass wir Lehrerinnen und Lehrer in dieser Woche von der bayerischen Staatsregierung und Medien dafür an den Pranger gestellt werden, weil wir einen Arbeitsschutz für uns und unsere Schüler einfordern, der ansonsten fast überall in Deutschland selbstverständlich in allen Bereichen des Lebens umgesetzt wird. Weder ist der Gesundheitsschutz der Lehrkräfte noch der Schülerinnen und Schüler gewahrt, noch die Persönlichkeitsrechte der Kinder und Jugendlichen im Falle eines positiven Tests im Klassenzimmer. Diese Verantwortung können wir nicht tragen! Wir brauchen nicht ein Mehr an Belastung, sondern endlich Entlastung!“, fordert Bezirksvorsitzende Judith Wenzl.

„Eine Entlastung, die ehrlich gesagt auch dringend unsere Viertklässler brauchen würden“, sagt Judith Wenzl. „Wir als Pädagogen müssen Ministerpräsident Markus Söder hier eindeutig widersprechen. Es ist und bleibt eine Bankrotterklärung, wenn man ungeachtet aller Inzidenzwerte die 4. Klassen in den Präsenzunterricht schickt, nur damit sie Noten und Proben für den Übertritt machen können. Das Festklammern an Noten und Notenschnitten ist in der Pandemie absurd. Ein fairer Übertritt wird heuer nicht möglich sein. Auch wenn die Anzahl der notenbestimmenden Proben immer weiter gesenkt und schließlich komplett freigegeben wurde – je weniger es sind, desto mehr zählt die einzelne, was den Druck auf die Kinder immens erhöht. Und Druck ist das Letzte, was Kinder jetzt in dieser Pandemie gebrauchen können.“